Die Pferdezuchtgenossenschaft Holledau stellt vor:

   

Bericht der
Pferdezuchtgenossenschaft Holledau

Dressurpferde-Freilauf-Cup der Pferdezuchtgenossenschaft Holledau am 3.10.2003


Foto: Kirsten Jessinghaus

Sie waren für eine gerechte Notevergabe zuständig: Von links Richter Klaus Bünger und Hans Britze aus Hannover hier im Gespräch mit Artur Landes von der Pferdezuchtgenosschenschaft Holledau

Ein ideales Dressurpferd ist gar nicht so leicht zu finden, das weiß ein jeder, der sich diesbezüglich schon einmal auf die Suche gemacht hat. Na klar, keine Frage, jeder Mann würde lieber mit Claudia Schiffer als mit Aschenputtel im Arm durch die Straßen flanieren. Jede Frau würde sich lieber mit Richard Gere als mit dem Glöckner von Notre-Dame an ihrer Seite zeigen.

Schönheit – der erste bewundernde Blick gilt also immer der Schönheit und ist nicht selten von Nutze sei es bei der Partnerwahl der Zweibeiner oder deren Karriere oder auch bei der Wahl eines Dressurpferdes. Doch nützt es wenig, wenn die äußere Hülle mehr verspricht, als das Innenleben halten kann. Keinem nutzt ein Adonis, wenn er sich nicht bewegen kann oder ein kleiner Teufel ist....

Bei der Suche nach dem idealen Dressurpferd sollte man sich also nicht an einer gängigen Exterieur-Liste entlang hangeln, auch sollte nicht wie üblich vorrangiges Kriterium sein, wie hoch er die Beine werfen kann. Besonders Erfahrene sehen zunächst nicht das Tier, sondern erst einmal das Papier an. Welche Abstammung hat das Pferd, gibt es dort gehäuft Dressurblut? Hat es berühmte – oder eher berüchtigte Vorfahren? Aus welcher Linie stammt es, kennt man selbst oder ein Reiterkollege einen seiner Vollgeschwister oder Verwandten?

Wer jahrelange Zucht- und Reiterfahrung hat, dem ist die Beurteilung von Pferden natürlich derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass er mit einem Blick, der nicht länger als ein paar Minuten dauert, erfassen kann, ob ein Pferd Potential hat oder nicht. Je harmonischer das Pferd in seinem Gesamteindruck ist und je weniger körperliche Mängel es hat, desto weniger Probleme werden auf einem zu kommen, wenn man sich erst einmal in seinem Sattel setzt.

Bevor man überhaupt im Sattel Platz nimmt und die Rittigkeit überprüft, läßt sich allerdings bereits vom Boden aus in der Beurteilung einiges feststellen. So läßt sich das Pferd im zwanglosen Freilaufen im Seitenbild betrachtet bereits hinsichtlich Raumgriff, Knieaktion und Schub aus der Hinterhand sehr gut beurteilen – von vorne und hinten dagegen macht man sich ein Bild davon, ob das Pferd gerade geht, ob es bügelt, streicht oder was man gar nicht gerne beim Reitpferd hat, ob es etwa breit läuft wie ein Traber.

Im Schritt wünscht man sich mindestens zwei Hufbreit Übertritt, im Trab zeigt sich das ideale Dressurpferd ohne zu hohe Knieaktion, dafür aber mit viel Schub aus der Hinterhand. Die 4 Hinterbeine folgen in jeder Gangart der Spur der Vorderbeine und landen mindestens in, wenn nicht sogar leicht über die Spur der Vorderbeine hinaus im Hallensand.

Der Galopp sollte mit nach vorne-oben schwingenden Vorderbeinen erfolgen und fließend statt stockend sein. Grundsätzlich sagt man, dass durch gute reiterliche Ausbildung Schritt und Galopp nur bedingt, der Trab dagegen deutlicher verbessert werden kann. Entscheidend ist also nicht, obwohl wir es doch so gerne sehen, ob sich ein Pferd im Trab für eine 10 bewegen kann, wichtiger ist vielmehr, ob es sich unter dem Reiter jederzeit zurücknehmen läßt, ohne dass es dabei die Balance einbüßt, was öfter vorkommt als man denkt.


Die Pferdezuchtgenossenschaft Holledau hatte eingeladen auf Talentschau zu gehen. Der Freilauf Cup wurde in diesem Jahre zum vierten Male in dieser Form ausgetragen. Wie gewohnt, fand er auch in diesem Jahr auf der Reitanlage von Gönner und Mitglied Martin Carmanns in Pfaffenhofen-Reisgang statt. Ausgeschrieben für 2- und 3jährige junge Pferde mit Bewegungstalent, hatten die Aussteller verschiedene Beweggründe, begonnen von der Möglichkeit, junge Pferde einmal ohne großen Aufwand zu präsentieren, verladen und transportieren zu können oder auch einfach ganz zwanglos mal zu sehen, wie man im Vergleich mit anderen Jahrgangsgenossen abschneidet, einmal eine Besprechung seines Pferdes mit Höhepunkten und evtl. auch Schwachstellen zu erfahren.

Ein Treff für Reiter und für Züchter

Sowohl für Reiter als auch für den dressurpferdeambitionierten Züchter ist diese Veranstaltung speziell für junge zukünftige Dressurpferde jedes Jahr auf’s Neue ein interessanter Wettbewerb. Da der Dressursport bekanntlicherweise ja nicht der zuschauerfreundlichste ist, weil zugegebenermaßen schwer zu verstehen und langatmig, wenn man nicht das nötige Insider-Wissen hat, bemüht man sich bei dieser Veranstaltung besonders durch entsprechende Kommentare nach Präsentation jedes einzelnen Pferdes die Notengebung verständlich zu vermitteln.

Die Beurteilung

Als Richter wirkten in diesem Jahr Klaus Bünger, Ötzen, Mitglied des erweiterten Vorstandes (Hannover), Hengstaufzüchter und Halter (Sporthengst Salieri) sowie Hans Britze, Verden, Zuchtleiter des Zuchtverbandes für Deutsche Pferde (ZfDP), der bereits im letzten Jahr dabei war.

Die Richter – beide benoteten unabhängig voneinander – Typ (Ausstrahlung und Gebäude), Trab, Galopp und Elastizität. Im Endring jeder Abteilung wurden dann die jeweiligen Noten für Schritt und Gesamteindruck vergeben. In Perfektion wären dies drei weit überdurchschnittliche Grundgangarten, Taktsicherheit, Bergauftendenz und Bewegungen, die aus einer aktiven, weit unter den Körper fußenden Hinterhand getragen werden.

Kompromisslos waren die Richter, wenn Spannungen festgestellt wurden. Das geschmeidig durch den ganzen Körper schwingende Pferd war das Ziel wobei man sich aber auch bewusst war, ohne Gang geht nichts, aber mit Gang geht noch lange nicht alles, hinter dieser blumigen Beschreibung steht ganz klar, dass Kriterien wie Korrektheit aber auch Prägnanz in den Partien, Sattellage und Textur, nicht uneingeschränkt dem alleinigen Sportgedanken geopfert werden dürfen / sollen.

Altersgruppe 2001:

Beeindruckend waren insbesondere die ersten drei platzierten Pferde. In der Notengebung ganz eng beieinander liegend, waren sie in der Qualität herausragend und haben sich vom restlichen Feld deutlich abgehoben:

Platz 1, WN 8,2 Sunny (Stute von Sunny Boy aus der Tendenz von Grundstein I),
Besitzer: Ludwig Geyer, Ingolstadt.

Sunny
Foto: Kirsten Jessinghaus

Eine harmonische, charmante, edle, bewegungsintensive und sehr geschmackvoll aufgemachte Stute in der beliebten schwarzbraunen Jacke. Diese mit sehr viel weiblichen Schmelz ausgestattete Stute präsentierte sich überragend im Trab.

Platz 2: WN 8,1 Caradonna von Piaster / Caprilli
aus dem Stall von Dr. Franz Stiegler, Langquaid.
Caradonna, direkte Tochter von Bayerns beliebtesten Dressurvererber Piaster. Groß umgelegte Partien. Souveränes Auftreten mit taktbestimmenden Bewegungsablauf. Ein echte „Piaster“ halt. Sie hat bereits in München-Riem anläßlich des Zukunftspreises überzeugt, wo sie Endringteilnehmerin war.

Platz 3, WN 8,0 für Midnight Lady (Wolkentanz II / Donnerhall)

Midnight Lady
Foto: Hubert Fischer

ein echter Hingucker, eine Stute ganz im Überguß ihres Erzeugers. Diese Stute hat alles, was ein modernes Reitpferd haben soll: Edlen, vornehmen Typ, ausdrucksvolles Gesicht, beste Reitpferdehalsung, gute Oberlinie mit schöner Kruppe und auch im Hinterbein bleiben keine Wünsche offen. Midnight Lady hat ebenso wie Caradonna ihre Qualitäten bereits in München-Riem anläßlich des Süddeutschen Zukunftspreises mit einem 1a Preis / Endring unter Beweis gestellt.

Altersgruppe 2000:

Diesen Jahrgang beherrschte Rosso di Sera, der Hengst in Besitz des Zuchthofes Wadenspanner, Pattendorf, Züchter: Antje und Karl Lederer, Karlshuld, beide Mitglieder der veranstaltenden Zuchtgenossenschaft.

Gefürchtet von der Konkurrenz, weil bislang unschlagbar (Reservesiegerin der 2jährigen Schau, Endring Staatsprämie und Sonderpreis für das bewegungstärkstes Pferd, 1a Preis Zuchtschau Pattendorf, Reservesieg Ansbach (Bayernchampionat) und platziert im Süddeutschen Championat) Rossana Diva (Rosso di Sera / Bordeaux II) in Besitz der Familie Wadenspanner. Rosso di Sera grüßt hier mit einer außergewöhnlichen Tochter aus renoviertem Züchterstall (Stall Weinzierl). Kraftvoll federnde Bewegungen die auf das Erbe ihres Vaters in Kombination mit Bordeaux II (von Bolero) hinweisen. Hier vereinen sich Leistungsgene und beeindrucken durch selbstsicheres Auftreten mit Takt und Schwung. Eine berechtigte Hoffnung für die anspruchsvolle Zukunft!
Ausgezeichnet mit der Tagesbestnote 8,4.

Platz 2, WN: 8,1 Tanja, Stute von Rosso die Sera / Coriograph B,
stets locker und lässig – voll positiver Ausstrahlung, Kraft und Frische ausgestellt von Gerhard Schmidt, Kemnath. Einst auf der Landshuter Fohlenauktion unter dem Namen Tanz ins Jahrtausend verauktioniertes Fohlen (Züchter: Stall Wimmer) macht ihrem Namen alle Ehre. Züchterisch wie sportlich etwas Besonderes. Charmantes Auftreten mit überzeugender Bewegungsqualität. Eine Stute, die neben ihren hervorragenden Bewegungsablauf insbesondere durch ihre Bedeutung und Ausdruck bei herrlichem Typ und groß angelegten Reitpferdepartien ins Auge sticht.

Platz 3, WN 7,8 für Piano Pay Sunny, Hengst von Pilon J / Rio Negro.
Aussteller: Gaby Hertle, Markt Indersdorf. Sympathisch auftretender Sohn des Pilon J mit Habitus, Typ und Ausstrahlung, ein Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle in moderner Facon. Die interessante und reizvolle Gen-Konstellation empfiehlt diesen sympathischen und bewegungsaktiven Youngster für einen vielseitigen Einsatz im Reitsport.

Homage an Piaster und Rosso di Sera

Ein genauerer Blick auf die Platzierungslisten lässt feststellen, dass qualitätsvolle Dressurpferde immer wieder den in Bayern sich lange Jahre mit dem Titel des besten Dressurpferdevererbers schmückenden Hengst Piaster in ihrem Pedigree führen. Im Jahrgang 2001 sind dies bei acht platzierten Pferden glatt die Hälfte, nämlich vier: Bei Caradonna als direkten Tochter, bei Midnight Lady als Großvater, bei Miss Money Penny und bei Romina als Muttervater.

Beim jüngeren Jahrgang führt Piaster’s Boxennachbar Rosso di Sera das Rennen an. Von acht platzierten Pferden stammen alleine fünf Pferde: Rosana Diva, Tanja, Rosario, Alwina und Ricci di Rosso direkt von Rosso di Sera ab.

Dennoch:
Es ist nicht alles Gold was glänzt:
Leider muß gesagt werden, die Güte und Klasse der Pferde konnte in der Breite in diesem Jahr – nicht überzeugen. Herausragende qualitätsvolle Pferde sind nach wie vor dünn gesät. Zwar muß man diesen Altersgruppen zugestehen, dass sie noch im Wachstum sind, dies und jenes sich noch zum positiven verändern mag, dennoch, in Sachen Zuchtarbeit gibt’s weiterhin viel zu tun.

Kerstin Graf

Ergebnisse:

Jahrgang 2001:

Platz WN Name, Geschlecht / Abstammung: Aussteller:
1 8,25 Sunny
Stute von Sunny Boy / Grundstein I
Ludwig Geyer, Ingolstadt
2 8,16 Caradonna
Stute von Piaster / Carprilli
Dr. Franz Stiegler, Langquaid
3 8,08 Midnight Lady
Stute von Wolkentanz II / Donnerhall
Sonya Artinger, Neustadt / Donau
4 7,75 Miss Money Penny
Stute Von Monte Verdi / Piaster
Antje + Karl Lederer, Karlshuld
5 7,66 Alban
Wallach von Abanos / Donnerschlag
Dr. Rupprecht Betz, Schernfeld
6 7,62 Bekas Ladylover
Hengst von Lanciano / Roy Black
Gestüt Beka’s, Karl Brandl, Kößnach
7 7,58 Flocus
Hengst von Florentano / Cor de Angelo J
Wolfgang Brand, Stengelheim
8 7,54 Romina
Stute von Ringo Starr / Piaster
Familie Josef Schäch, Wolnzach

 

Jahrgang 2000:

Platz WN Name, Geschlecht / Abstammung: Aussteller:
1 8,45 Rosana Diva
Stute von Rosso di Sera / Bordeaux II
Fam. Wadenspanner, Pattendorf
2 8,12 Tanja
Stute von Rosso di Sera / Coriograph B
Gerhard Schmidt, Kemnath
3 7,87 Piano Pay Sunny
Hengst von Pilon J / Rio Negro
Gaby Hertle, Markt Indersdorf
4 7,75 Lady Adele
Stute von Lord Sinclair / Palisador
Josef Bauer, Gosmehring 4
5 7,50 Rosario
Wallach von Rosso die Sera / Fredericus An
Familie Peter Hausler, Ratzenhofen
6 7,45 Jana
Stute von Clintino / Zeus
Wolfgang Braun, Berching
6 7,45 Alwina
Stute von Rosso di Sera / Glückspilz
Johann Littel, Hettenshausen
6 7,45 Ricci di Rosso
Wallach von Rosso di Sera / Piaster
Dr. Franz Stiegler, Langquaid

 

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